Datum: 13.02.2012
Kompetenzanalyseverfahren "Profil AC" wird für Realschulen neu entwickelt und flächendeckend eingeführt: Kultusministerium Baden-Württemberg unterzeichnet Vereinbarungen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit
Kurzbeschreibung: Auf dem Fachkongress "Herausforderung Berufsorientierung" unterzeichneten heute (13. Februar) in Stuttgart das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit Vereinbarungen zur Einführung des Kompetenzanalyseverfahren "Profil AC" an den Realschulen im Land.
Auf dem Fachkongress „Herausforderung Berufsorientierung“ unterzeichneten heute (13. Februar) in Stuttgart das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit Vereinbarungen zur Einführung des Kompetenzanalyseverfahren „Profil AC“ an den Realschulen im Land. Das BMBF fördert diesen Schritt im Rahmen der Initiative „Abschluss und Anschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss“. Ziel der „Bildungsketten“-Initiative ist es, angesichts der Entwicklungen am Ausbildungsmarkt und des Rückgangs der Schulabgängerzahlen im Zuge des demografischen Wandels, durch eine koordinierte Zusammenarbeit der Akteure in Schule, Übergangsbereich und dualer Berufsausbildung allen interessierten Jugendlichen eine fundierte und passgenaue Berufswahlentscheidung zu ermöglichen.
Um das zu erreichen, setzt Baden-Württemberg bereits flächendeckend an Werkreal- und Hauptschulen, an Sonderschulen und an bestimmten Bildungsgängen des beruflichen Schulwesens das Kompetenzanalyseverfahren „Profil AC“ ein. So können überfachliche, ausbildungsrelevante Kompetenzen erkannt und die Schülerinnen und Schüler entsprechend bei der Berufsorientierung individuell gefördert werden. Dieses bewährte Verfahren wird jetzt für die Zielgruppe der Realschülerinnen und Realschüler neu konzipiert und eingeführt. „Baden-Württemberg ist das einzige Bundesland, in dem ein einheitliches, auf verschiedene Schularten abgestimmtes Kompetenzanalyseverfahren flächendeckend eingesetzt wird. Auch die Realschulen sollen nun von diesem wichtigen Instrument profitieren, das den Schülerinnen und Schülern hilft, die eigenen Talente zu entdecken und den für sie besten Weg in den Beruf einzuschlagen“, sagte Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer. Das Kultusministerium investiert in die flächendeckende Einführung der Kompetenzanalyse an der Realschule 118 Lehrerdeputate. Bereits in diesem Frühjahr beginnt die Schulung der ersten 790 Lehrerinnen und Lehrer. Weitere rund 2400 Lehrkräfte werden in zwei Tranchen bis Ende 2013 fortgebildet. Zum Schuljahr 2013/2014 werden bereits alle Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen der rund 490 öffentlichen und privaten Realschulen im Land an der Kompetenzanalyse teilnehmen.
Das BMBF unterstützt das Landeskonzept, indem es Mittel in Höhe von knapp 1 Mio. Euro für die Entwicklung des Verfahrens in Realschulen in den kommenden Jahren zur Verfügung stellt. Der Parlamentarische Staatsekretär, Dr. Helge Braun, betonte in seiner Festrede anlässlich der Stuttgarter Tagung die Vorreiterrolle Baden-Württembergs im Sinne der Initiative „Bildungsketten“. „Ich hoffe, dass wir weitere Länder für diese Initiative gewinnen werden. Denn eine erfolgreiche Berufsorientierung ist gerade bei benachteiligten Jugendlichen von großer Bedeutung. Eine begabungsgerechte Entscheidung hilft nicht nur bei der Berufswahl, sondern fördert auch langfristige Zufriedenheit über das Arbeitsumfeld hinaus.“
Das Verfahren, das durch das Christliche Jugenddorfwerk Deutschland (CJD) gemeinsam mit der MTO Psychologische Forschung und Beratung GmbH aus Tübingen entwickelt wird, hat fünf Kompetenzfelder im Blick: Sozialkompetenz, Methodenkompetenz, Personale Kompetenz, Berufsfeldbezogene Kompetenz und Kognitive Basiskompetenz. Die Schülerinnen und Schüler können beispielsweise ihre Planungsfähigkeit und ihre Verantwortungsfähigkeit in beobachteten Situationen zeigen. In verschiedenen Tests demonstrieren sie, welche berufsfeldbezogenen Kompetenzen sie haben und wie stark z.B. ihr schlussfolgerndes Denken und ihre Konzentrationsfähigkeit ausgeprägt sind. Insgesamt erhalten die Schülerinnen und Schüler Rückmeldungen zu 21 Kompetenzmerkmalen. In das Verfahren integriert ist außerdem ein Berufs- und Studieninteressenfragebogen. Die Ergebnisse des Verfahrens helfen den Schülerinnen und Schülern, ihren Bildungs- und Berufswegeplan systematischer und zielgerichteter zu gestalten.
Die Regionaldirektion Baden-Württemberg und die Agenturen für Arbeit unterstützen den erfolgreichen Übergang der jungen Menschen von der Schule in den Beruf. Die Regionaldirektion hat sich daher bereits in den letzten Jahren finanziell an der Einführung des Kompetenzanalyseverfahrens an Werkrealschulen, Hauptschulen und Sonderschulen mit rund 3,7 Mio. Euro beteiligt. Der Erfolg dieses Verfahrens veranlasst die Regionaldirektion, auch die Einführung der Kompetenzanalyse an Realschulen mit rund 3 Mio. Euro zu unterstützen. „Weil wir wissen, dass die Berufswahlentscheidung viel komplexer geworden ist und deshalb passgenauer vorbereitet werden muss, wollen wir als größter Dienstleister am Arbeitsmarkt dieses wichtige Projekt“, so Eva Strobel. Und so Strobel weiter: „Die frühzeitige Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit ihren Kompetenzen und Berufsinteressen sowie die frühzeitige Förderung einzelner Kompetenzfelder unterstützt die Arbeit der Berufsberatung. Die Jugendlichen sind besser orientiert und somit besser vorbereitet auf das Beratungsgespräch. Hinzu kommt, dass durch die frühzeitige Förderung der überfachlichen Kompetenzen auch eine bessere Vorbereitung auf die Berufs- und Arbeitswelt stattfindet. Abbrüche werden vermieden und ausbildungsvorbereitende beziehungsweise -begleitende Förderleistungen können reduziert werden.“
Das BMBF hat für die Initiative bundesweit insgesamt 460 Mio. Euro bis 2014 eingeplant. Die Initiative greift den Wunsch der beteiligten Akteure nach Kontinuität der Förderstrukturen und erhöhter Transparenz der vielfältigen Angebote und Instrumente auf. Frühzeitige Potenzialanalysen zur Kompetenzfeststellung ab der 7. Klasse, Berufsorientierung und Berufseinstiegsbegleitung durch haupt- und ehrenamtliche Lotsen für bundesweit bis zu 30.000 besonders förderbedürftige Schülerinnen und Schüler werden so sinnvoll miteinander verzahnt und dauerhaft flächendeckend verankert. In Baden-Württemberg sind gegenwärtig 53 aus dem Bildungsketten-Programm finanzierte hauptamtliche Berufseinstiegsbegleiter an 121 Schulen im Einsatz, die bis zum Jahr 2013 auf 106 aufzustocken beabsichtigt. Hinzu kommen gegenwärtig 136 Berufseinstiegsbegleiter, die finanziert durch die Bundesagentur für Arbeit an weiteren 114 Schulen tätig sind, um allen Jugendlichen die Chancen auf einen erfolgreichen Übergang ins Berufsleben zu ermöglichen.

