Datum: 10.02.2011
Kultusministerin Marion Schick zieht positive Zwischenbilanz: Nachhaltige Umsetzung der Empfehlungen des Expertenkreises Amok und des Sonderausschusses
Kurzbeschreibung: Maßnahmenbündel setzt klare Signale und stärkt gezielt den präventiven Bereich
„Es gibt keine absolute Sicherheit vor solch einer schrecklichen Tat wie vor zwei Jahren in Winnenden. Wir müssen aber mit allen Kräften dafür sorgen, dass unsere Schulen so sicher wie möglich sind. Deshalb setzen wir die vom Expertenkreis Amok und Sonderausschuss des Landtages empfohlenen Maßnahmen in Baden-Württemberg nachhaltig um“, sagte Kultusministerin Marion Schick anlässlich der Urteilsverkündigung im Prozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden am Donnerstag (10. Februar) in Stuttgart. „Es ist sehr wichtig, dass wir bei der Umsetzung der vielfältigen Maßnahmen auf Sorgfalt setzen statt auf Aktionismus. Ziel muss es sein, an den Schulen nachhaltig ein Klima zu schaffen, das Gewalt nicht entstehen lässt. Dabei sind umfassende Maßnahmen für Schulen wie das Präventionskonzept nach Dan Olweus oder das Modellprojekt ‚Network against school shootings’ wichtige Handlungsfelder“, so Schick. Diese würden auf die bereits bestehende Vielzahl von Programmen aufbauen und die langjährige Erfahrung im Bereich Gewaltprävention an Schulen nutzen.
Das Präventionskonzept nach Prof. Dan Olweus wird flächendeckend in Baden-Württemberg eingeführt. „In diesem Monat starten die ersten 24 Schulen. Durch eine gestaffelte Einführung kann eine optimale Etablierung der Präventionsmaßnahmen erfolgen“, erklärte Schick. Für die Einführung sei es wesentlich, dass ein System von Unterstützung und Beratung aufgebaut wird und die Schulen Ressourcen haben, um sich in ihrem Schulentwicklungsprozess mit dem Thema Prävention zu beschäftigen. Das besondere an diesem Präventionskonzept ist, dass dieses Schulentwicklungsprogramm Maßnahmen auf Schulebene, Klassenebene sowie persönlicher Ebene umfasst. Alle am Schulleben Beteiligten werden eingebunden. Nach den ersten 24 Schulen in diesem Schuljahr sollen im Laufe des ersten Schulhalbjahres 2011/12 weitere ca. 20 Schulen hinzukommen. Im September 2012 und Februar 2013 sollen je 500 Schulen dazukommen. Ab September 2013 ist dann eine jährliche Ausweitung um je 500 Schulen geplant.
Bereits seit März 2010 nehmen 40 Schulen in Baden-Württemberg am Modellprojekt „Network against school shootings“ (NETWASS) teil. Die Schulleitungen und die Lehrkräfte in den schulinternen Krisenteams werden hier von Schulpsychologen sowie Polizeibeamten fortgebildet, um Warnsignale zu erkennen und eine erste Bewertung vornehmen zu können. Es sollen Netzwerke mit außerschulischen Partnern entstehen, die sich mit potentiell gefährdeten Schülern befassen und eine frühzeitige und einzelfallbezogene Hilfe planen.
„Ein wichtiger Schritt ist der Ausbau der schulpsychologischen Beratung durch die Verdoppelung der Schulpsychologen. Bereits zu diesem Schuljahr haben wir 30 neue Stellen geschaffen. 139 Schulpsychologinnen und -psychologen stehen Lehrern, Schülern und Eltern in Baden-Württemberg derzeit beratend zur Seite“, erklärte Schick. Zum September 2011 werden weitere 50 Stellen geschaffen, zum September 2012 weitere 20. Die Zahl der Stellen für Schulpsychologen erhöht sich damit auf 200. Dazu soll die Anzahl der derzeit ca. 1.600 aktiven Beratungslehrkräfte bis 2016 verdoppelt werden. Für die Schulen wird ein Netz von 150 Präventionsbeauftragten bis Herbst 2012 aufgebaut.
Als Sicherheitsmaßnahmen an Schulen sollen bis 2012 alle Schulen mit einem Empfangsgerät, sogenannten Pager, ausgestattet werden, um sie über Krisenfälle schneller informieren zu können. Land und Kommunale Landesverbände haben sich darauf geeinigt, dass das Land die Kosten für Geräte trägt und die Schulträger die Kosten für die Verbindungen übernehmen.
Ein weiteres Handlungsfeld ist die Stärkung der Medienpädagogik. Dabei ist bereits die Finanzierung der Plattform MediaCulture-Online im Haushalt verankert worden. Dieses zentrale Portal zur Medienbildung in Baden-Württemberg bündelt alle Programme des Landes im Bereich der Medienbildung und des Jugendmedienschutzes. Zugleich bietet es Lehrkräften konkrete Praxisbeispiele für die präventive Heranführung an medienrelevante Themen.
Weitere Empfehlungen des Expertenkreises Amok und des Sonderausschusses des Landtags wurden bereits umgesetzt, so wie der Ausbau der Ganztagsschulen, verstärkte Fortbildungen zur Krisenintervention oder die Änderung des Katalogs der Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen im Schulgesetz.
Infos an die Redaktionen:
Nach dem Amoklauf in Winnenden vom 11. März 2009 beschloss die Landesregierung Baden-Württemberg bereits am 31. März 2009 die Einrichtung des Expertenkreises Amok mit Fachleuten aus Wissenschaft und Praxis unter Vorsitz von Dr. Udo Andriof. Dieser hat dem Ministerrat am 29. September 2009 die Ergebnisse der Beratungen des Expertenkreises vorgelegt.
Der Landtag hatte am 22. April 2009 den Sonderausschuss „Konsequenzen aus dem Amoklauf in Winnenden und Wendlingen: Jugendgefährdung und Jugendgewalt“ unter Vorsitz von Christoph Palm (CDU) eingesetzt. Der Sonderausschuss legte im März 2010 seine Empfehlungen vor.

