Zum Landesbildungsserver  Zum Lehrerfortbildungsserver  Zum Landesmedienzentrum  Zum Landesportal


Sie sind hier: Startseite > Service > Infodienste / Newsletter > Infodienst Schule > Infodienst Schule 40 > SCHWERPUNKTTHEMA PRAXISBEISPIELE AUS DER SCHUL-UND UNTERRICHTSENTWICKLUNG > Hausaufgaben im Fokus: Offene Ganztagsschule am Immanuel-Kant-Gymnasium

Hausaufgaben im Fokus: Offene Ganztagsschule am Immanuel-Kant-Gymnasium

Unsere Schule ist ein allgemein bildendes Gymnasium mit einer offenen Ganztagsschule an drei Wochentagen. Sie setzt auf vier Schwerpunkte, die zusammen einen Ort zum Lernen und Leben schaffen. Neben einer anregenden Erholungsphase wird dabei auf die Hausaufgabenbetreuung großer Wert gelegt.
Auf Stufenkonferenzen wurde die Situation der Schülerinnen und Schüler am achtjährigen Gymnasium diskutiert. Die Ausgangslage: Die Kinder und Jugendlichen müssen teilweise eine 34-Stunden-Woche bewältigen, neben den klassischen Hausaufgaben auch Unterrichtsstoff vor- und nachbereiten und sich auf bevorstehende Klassenarbeiten konzentrieren. Darüber hinaus nehmen einzelne Schülerinnen und Schüler am Förderunterricht teil. Verschiedene Angebote stehen für alle Hauptfächer zur Verfügung.

Man einigte sich auf folgende Beschlüsse:

  • Rhythmisierung: An Tagen mit mehreren Hauptfächern sollten – soweit möglich – die Hausaufgaben der Nebenfächer in den Hintergrund treten. Eintragungen in der Hausaufgabenspalte im Tagebuch sollten stets beachtet werden.
  • Zeitlicher Umfang: Er sollte ungefähr 20 Minuten pro Hauptfach betragen, ausgehend von einer "durchschnittlichen“ Arbeitsgeschwindigkeit.
  • Nebenfächer: Sie werden nicht benachteiligt, für die Hausaufgaben sollte man jedoch mehr Zeit einplanen.
  • Samstage: Sie werden als Arbeitstag zum Erledigen von Hausaufgaben angesehen – genau wie in den meisten europäischen Ländern auch.

Das pädagogische Konzept

Hausaufgaben sind entscheidend für ein erfolgreiches Schulleben. Darin eingebunden finden sie ihren ritualisierten Platz und erhalten eine gesteigerte Bedeutung. Die Gemeinschaft fördert dabei Lernerfolg und Lerneifer. Doch das Ziel ist noch weiter gefasst: Die Schülerinnen und Schüler sollen das selbstständige Vor- und Nachbereiten des Unterrichts als Teil des Schullebens begreifen, ebenso die Vorbereitungen auf Klassenarbeiten oder Vokabeltraining. Diesen "stillen“ Hausaufgaben misst die Schule große Bedeutung zu, da sie die Kinder gezielt auf die Bedürfnisse der höheren Klassenstufen vorbereiten.

Doch auch im Immanuel-Kant-Gymnasium gilt: Eine Hausaufgabenbetreuung kann keine Nachhilfe sein. Auch Vollständigkeit und Richtigkeit der Hausaufgaben können nicht gewährleistet werden – dies würde dem pädagogischen Sinn von Hausaufgaben widersprechen. Dienen sie doch dem Wiederholen und Anwenden des Gelernten und zeigen den Schülerinnen und Schülern ihren individuellen Lernstand. Wer Hilfe in den Hauptfächern benötigt, kann zusätzlich Förderkurse besuchen. Kolleginnen und Kollegen, erfahrene Eltern sowie Jugendbegleiterinnen und -begleiter beraten die Kinder und Jugendlichen und geben Hilfe zur Selbsthilfe. Zum gemeinsamen Vokabeltraining nutzen die Lernenden einen Extraraum, um die anderen nicht zu stören. Für Recherchen und Informationssammlung gibt es die Schülerbibliothek und mehrere Computer.

Die Realisierung

Damit Kinder konzentriert arbeiten können, ist eine angenehme und ruhige Atmosphäre wichtig. Dabei ist die Gruppengröße entscheidend. Die Kinder der Klassen 5 bleiben mit ihren Freunden in einer Gruppe, um sich rasch einzugewöhnen. Die Schülergruppe sollte jedoch unserer Erfahrung nach nicht mehr als zwölf Mitglieder haben. Somit müssen auch ausreichend Räume und Personal zur Verfügung gestellt werden. Auch mit Unterstützung von außen: Während in den fünften Klassen Lehrkräfte die Hausaufgabenbetreuung leiten, werden in den höheren Klassen überwiegend erfahrene Eltern und ab dem Schuljahr 2008/2009 geschulte Jugendbegleiterinnen oder -begleiter eingesetzt.

Zusammenfassung und Ausblick

Im Konzept der Ganztagsschule bekommen die oft lästig erscheinenden Hausaufgaben eine erkennbar höhere Bedeutung. Unterstützt durch die Betreuer, Eltern, Lehrkräfte und Jugendbegleitpersonen erhalten sie nun einen festen Platz im Schulleben. So verbessert das Arbeiten im Team die Lernfähigkeit und Zufriedenheit der Schülerinnen und Schüler. Gewissenhaft erledigte Hausaufgaben machen die Lernenden selbstbewusster, leistungsfähiger und wirken nachhaltig. Zudem fördert das gemeinsame Arbeiten den sozialen Zusammenhalt in der Schule. Mit dem Beginn des Schuljahres 2008/2009 steht die Hausaufgabenbetreuung allen interessierten Kindern und Jugendlichen der Klassen 5 bis 8 offen.

Fazit: Die Hausaufgabenbetreuung innerhalb der offenen Ganztagsschule wurde erfolgreich erprobt. Ziel ist es nun, das Modell allen Schülerinnen und Schülern des Immanuel-Kant-Gymnasiums zugänglich zu machen.

Autor: Andreas Kübler, Immanuel-Kant-Gymnasium Leinfelden-Echterdingen

Weitere Informationen unter: www.ikg-le.de