Integration und Sprachförderung – die Schulgemeinschaft der Pragschule in Stuttgart-Nord geht neue Wege
Das Beherrschen der deutschen Sprache ist wesentlich für eine erfolgreiche Integration. Wie die Erfahrung der Pragschule zeigt, bedarf es allerdings mehr als einer Palette an Sprachförderangeboten, um bei Kindern und Erwachsenen die Bereitschaft zur Integration zu stärken.
Bereits 1997 wurde an der Pragschule der Deutschkurs für Mütter etabliert. Das Konzept: Mütter lernen vormittags Deutsch, während ihre Kinder in der Schule zur gleichen Zeit den regulären Unterricht besuchen. Der Effekt: Die teilnehmenden Mütter zeigen ihren Kindern am eigenen Beispiel, wie wichtig das Beherrschen der Sprache des Landes ist, in dem sie leben. Doch nicht alle Mütter nahmen dieses Angebot an – aus unterschiedlichen Gründen. Eines jedoch war schnell klar: Wenn die kulturelle Herkunft der Eltern geachtet und wertgeschätzt wird, sind sie bereit, die Sprache ihrer neuen Heimat zu erlernen und damit einen großen Schritt in Richtung Integration zu gehen.
Symbole und Rituale schaffen, das Gemeinschaftsgefühl stärken
Die Kinder der Pragschule reden in vielen Sprachen. Das merkt der Gast schon im Eingangsbereich, wo Beispiele für die vielen Sprachen, die von den Kindern der Schule gesprochen werden, ausgehängt sind. So werden beispielsweise Gedichte nicht nur im Original, sondern auch in verschiedenen, von Eltern übersetzten muttersprachlichen Fassungen ausgehängt. Eine originelle Idee, die Sprache und Kultur von Erwachsenen und Kindern wertschätzt und gleichzeitig motiviert. Im Eingangsbereich hängt auch die Pragschulfahne. Sie wurde während der Projektwochen zum Thema "Fest der Nationen“ 2005 von Kindern der vierten Klasse entworfen und gestaltet. Diese Fahne ist mittlerweile ein wichtiges Symbol: Kinder einer Welt leben und lernen hier miteinander. Und sie ist Teil des Schullebens geworden. Bei wichtigen schulischen Feiern spielt sie eine große Rolle. So werden neu eingeschulte Schülerinnen und Schüler in die Gemeinschaft aufgenommen, indem sie am Ende der Einschulungsfeier unter der Fahne hindurch das erste Mal ihre Klassenzimmer betreten. Nachdem die Kinder am Ende der vierten Klasse von der Schulgemeinschaft verabschiedet wurden, verlassen sie unter der Flagge die Schule. Auch für die Eltern ist dieses Symbol sehr wichtig. So wiesen sie gelegentlich darauf hin, wenn sie ihr Heimatsymbol auf der Schulfahne vermissten.
Brücken bauen und Bereiche vernetzen
Die Schule achtet darauf, dass die Kinder im Schulalltag immer wieder Erwachsene mit Migrationshintergrund treffen, die sich erfolgreich integriert haben. So lernen sie aufgeschlossene Persönlichkeiten kennen, an deren Vorbild sie sich orientieren können. In diesem Sinne arbeitet die Pragschule unter anderem immer wieder mit dem deutsch-türkischen Forum zusammen. Dieses Forum unterstützt die Schulprojekte durch Lehrkräfte mit oben genannten Merkmalen. Der Sprachförderunterricht in Kleingruppen, das so genannte "agbi-abla“-Projekt ("großer Bruder-große Schwester“), war ein solch erfolgreiches Projekt. Hier unterrichteten Lehramtsstudentinnen und -studenten mit Migrationshintergrund. Selbstverständlich sind bei Bedarf auf Schulveranstaltungen Übersetzerinnen oder Übersetzer anwesend. Wichtig ist der Schule hierbei, dass auch die kulturellen Unterschiede "übersetzt“ und somit "interkulturelle Brücken“ gebaut werden. Die Familien werden möglichst langfristig durch dieselben Dolmetscherinnen oder Dolmetscher begleitet – eine gute Basis für die Verständigung.
Miteinander lernen und handeln
Alle Kinder der dritten Klasse nehmen am Zirkusunterricht teil, der wöchentlich zwei Stunden umfasst. Dieser Unterricht findet seinen Höhepunkt in einer Projektwoche zum Schuljahresende, in deren Rahmen einstudierte Zirkusnummern aufgeführt werden. Allerdings können diese nur erfolgreich präsentiert werden, wenn alle Kinder "an einem Strang“ ziehen. Während der Proben lernen sie, den Ablauf ihrer Nummer im gemeinsamen Gespräch zu planen und Meinungsverschiedenheiten zu klären. Aber auch ihre Stärken im gemeinsamen Handeln zu erfahren und sich aufeinander zu verlassen. Integration gelingt somit fast beiläufig.
Sprachförderung von Anfang an – in Kindergarten und Schule
Wenn sich Eltern und Kinder mit Migrationshintergrund angenommen und wertgeschätzt fühlen, sind sie offen und interessiert daran, in die Schulgemeinschaft integriert zu werden und gut Deutsch zu lernen. Die Sprachförderung wurde zu einer zentralen Säule des Schulprofils der Pragschule erklärt. Zahlreiche Bausteine zur Verbesserung der Sprachkompetenz der Kinder und ihrer Eltern wurden entwickelt. Wichtig hierbei für die Schule: den Blick möglichst früh auf eine bewusste Sprachförderung zu lenken. In der intensiven Kooperation mit den Kindertageseinrichtungen und der Fortführung der Maßnahmen in Klasse 1 sind beste Voraussetzungen, um die Sprache erfolgreich zu erlernen. Kinder, die im Kindergarten beispielsweise regelmäßig vorgelesen bekommen und dann in der schulischen Atelierarbeit oder während einer Projektwoche interessante Geschichten und Bücher kennen lernen, werden dadurch motiviert, sich ein Buch in der Schulbücherei auszuleihen. In der Pragschule finden sie dort auch Bücher in ihrer Muttersprache. Und das drückt die angesprochene notwendige Achtung ihrer ganz persönlichen Identität aus.
Autor: Pragschule Stuttgart-Nord
Weitere Informationen unter:
Pragschule Grundschule
Friedhofstr. 74
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Telefon: 0711 2576649

