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Datum:  24.06.2008

Landesregierung beschließt "Qualitätsoffensive Gymnasium"

Kurzbeschreibung:  Ministerpräsident Günther H. Oettinger und Kultusminister Helmut Rau: Schülerinnen und Schüler werden entlastet

  Alle Gymnasien können Ganztagsschulen werden und bieten Hausaufgabenbetreuung an


„Mit der ’Qualitätsoffensive Gymnasium’ geben wir jeder Schule die notwendigen Ressourcen, um Ganztagsschule zu werden. Gleichzeitig entlasten wir die Schülerinnen und Schüler. Ein Budget für Hausaufgabenbetreuung und Empfehlungen zur Unterrichtsorganisation sind weitere Unterstützungsleistungen des Landes für die Schulen“, sagten Ministerpräsident Günther H. Oettinger und Kultusminister Helmut Rau am Dienstag (24. Juni 2008) in Stuttgart. Am Vorabend hatte der Ministerrat die „Qualitätsoffensive Gymnasium“ beschlossen.

In das Konzept zur Weiterentwicklung des G8 seien die Ergebnisse der Diskussionen mit Eltern, Schülern, Lehrkräften und Schulleitungen an „Runden
Tischen“ eingeflossen. Bereits im Sommer 2007 hatte das Kultusministerium mit den ersten Gesprächsrunden begonnen. Problematisiert worden seien insbesondere die unzureichende Koordination und der Umfang der Hausaufgaben. Mit den Verbesserungsmaßnahmen reagiere die Landesregierung auf die Wünsche, die Schüler – und damit auch die Eltern – abends nach einem langen Schultag zu entlasten, betonten Oettinger und Rau.

Freiräume für Schulen bleiben erhalten

„Wir entwickeln das Gymnasium weiter, ohne die organisatorischen und pädagogischen Freiräume der Schulen zu beschneiden, die wir ihnen mit der Bildungsplanreform 2004 gegeben haben. Die Erfahrungen seit Einführung des achtjährigen Gymnasiums zeigen, dass es richtig war, den Schulen neue Verantwortlichkeiten zu übertragen“, erklärten Oettinger und Rau.

Stundenpläne der Kinder wirkungsvoll entlastet

Das Konzept „Qualitätsoffensive Gymnasium“ setze sich aus einer Anzahl von aufeinander abgestimmten Maßnahmen zusammen (siehe Anhang), wie den Einsatz von fünf der zehn zur Verfügung stehenden, nicht für Fachunterricht gebundenen Stunden (so genannte Poolstunden) zur fachspezifischen Förderung in geteilten Klassen, die Integration weiterer Übungs- und Vertiefungsphasen in das Schulcurriculum, klare Festlegungen zur inhaltlichen und zeitlichen Gestaltung bei der „Gleichwertigen Feststellung einer Schülerleistung“ (GFS) und den Unterricht in Doppelstunden, erläuterte Rau. „Um den Bildungsplan zu erfüllen, reichen 260 Jahreswochenstunden Fachunterricht aus. Es ist nicht notwendig, dafür weitere Poolstunden einzusetzen. Wenn die Schulen diese frei verfügbaren Stunden stattdessen zur Förderung in geteilten Klassen verwenden, werden die Stundenpläne der Kinder wirkungsvoll entlastet.“ Damit nutze man die Spielräume, die die jüngsten Beschlüsse der KMK dem Land gegeben hätten: Belastungen, die mancher als Überforderung empfinde, würden spürbar verringert, „ohne dass die fachliche und pädagogische Qualität des Gymnasiums darunter leidet“, erklärten Oettinger und Rau.

Konkrete Hilfe bei Umsetzung der Bildungsstandards

Bei den mit Lehrkräften, Eltern und Schülern durchgeführten Runden Tischen seien zumeist nicht die Anforderungen der neuen Bildungsstandards hinterfragt worden, sondern deren Umsetzung. Oettinger und Rau kündigten an, dass den Lehrkräften noch mehr Handreichungen, konkrete Unterrichtskonzepte und gelungene Umsetzungsbeispiele zur Verfügung gestellt würden. Zudem werde ein Schwerpunkt bei der Lehrerfortbildung gesetzt und die Ausbildung von Lehrkräften als Multiplikatoren weiter verstärkt.

Im Jahr 2012 werden der letzte Jahrgang des neunjährigen Gymnasiums und der erste Jahrgang des achtjährigen Gymnasiums das Abitur ablegen. Beide Jahrgänge werden bereits in den letzten beiden Schuljahren zusammengeführt und absolvieren im Abitur gemeinsame Prüfungsaufgaben. Rau machte deutlich, dass jetzt schon die Schnittmengen des verpflichtenden Kursstufen- bzw. Bildungsplans definiert würden. Dies gebe den Gymnasien die Möglichkeit, sich sorgfältig und ohne Zeitdruck auf die gemeinsame Kursstufe und die Abiturprüfung 2012 vorzubereiten, sagte der Kultusminister.
 
Qualitätsoffensive Gymnasium
Die wichtigsten Eckpunkte des Konzepts

1. Hausaufgabenbetreuung
Eine nennenswerte Zahl von Gymnasien bietet bereits Hausaufgabenbetreuung an. Die Modelle reichen dabei von Konzepten im Rahmen des Jugendbegleiterprogramms bis hin zu Lösungen in alleiniger Trägerschaft der Schule.

Künftig sind alle Gymnasien verpflichtet, eine Hausaufgabenbetreuung, vorrangig in den Klassenstufen 5-7, anzubieten. Sie können dabei auf die Unterstützung durch das Land zählen: Durchschnittlich erhält jede Schule 5 Lehrerstunden zur Organisation des Angebots und  zur Qualifizierung der Hausaufgabenbetreuer sowie ein Budget zur Aufwandsentschädigung der Hausaufgabenbetreuer von 4000 Euro.

Insgesamt wendet das Land für das G8-Programm zur Hausaufgabenbetreuung 5,3 Mio. € auf.

2. Stundenentlastung
Mindestens die Hälfte der zehn Poolstunden soll zur fachspezifischen Förderung in geteilten Klassen, insbesondere in der Unterstufe, eingesetzt werden.

Um den Bildungsplan zu erfüllen, reichen 260 Jahreswochenstunden Fachunterricht aus. Es ist daher nicht notwendig, Poolstunden für den Fachunterricht zur Erfüllung des Bildungsplans anzusetzen. Die zur Förderung in geteilten Klassen verwendeten Poolstunden entlasten die Stundenpläne der Kinder, weil sie zu den Stunden für den Fachunterricht nach Kontingentstundentafel nicht zusätzlich dazu kommen.

3. Reduktion der Stofffülle
Gleichzeitig mit der Umstellung auf die kompetenzorientierten Bildungspläne wurde die Stofffülle der alten Lehrpläne deutlich reduziert. Nicht alle Schulen und Lehrkräfte haben ihren Unterricht aber dieser reduzierten Stofffülle angepasst. Die Runden Tische, die zwischen Februar und Mai systematisch Fach für Fach auf den Prüfstand gestellt haben, haben bestätigt, dass das Problem weniger in den Vorgaben der Bildungspläne liegt als in deren Umsetzung. Es muss deshalb in erster Linie darum gehen, die Umsetzung der Bildungsplanreform noch intensiver durch Unterstützungsmaterialien oder 'best-practice'-Angebote zu begleiten als das bisher schon der Fall war.

4. Nachmittagsunterricht
Für die Klassen 5 und 6 wurde bereits eine Wochenstundenzahl von 32 (einschließlich Poolstunden) empfohlen; damit ist es nicht zwingend, dass in diesen Jahrgangsstufen an mehr als einem Nachmittag verpflichtender Unterricht stattfindet.

An Tagen mit verpflichtendem Nachmittagsunterricht darf es keine schriftlichen Hausaufgaben von diesem auf den nächsten Schultag geben.

5. Ganztagsschulen
Alle Gymnasien, die ein durchdachtes Konzept haben und über die entspre-chenden räumlichen Voraussetzungen verfügen, werden als Ganztagsschulen genehmigt. Dies gilt unabhängig davon, ob es in zumutbarer Entfernung bereits ein Ganztagsgymnasium gibt oder nicht.
Für jeden Zug im Ganztagsbetrieb erhält ein Gymnasium zusätzlich 7 Lehrerwochenstunden.

6. Gemeinsames Abitur 2012
Derzeit wird die curriculare Grundlage der Abiturprüfung 2012 erarbeitet. Damit wird sichergestellt, dass sich die Gymnasien ausführlich und ohne Zeitdruck auf die gemeinsame Kursstufe 2012 vorbereiten können.

7. GFS, Organisation von Unterricht und Klassenarbeiten
An die GFS (Gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen) dürfen grundsätzlich keine höheren Anforderungen gestellt werden als an eine Klassenarbeit.
Den Schulen wird empfohlen, schulinterne Festlegungen zur inhaltlichen und zeitlichen Gestaltung sowie zum Einsatz von Medien bei der GFS zu treffen.

Der Unterricht ist vorwiegend in Doppelstunden zu organisieren und nur in be-gründeten Einzelfällen im 45-Minuten-Takt.

Die Schulen werden an die verbindlichen Regelungen zur gleichmäßigen Verteilung der Klassenarbeit über das gesamte Schuljahr erinnert.
 

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