Deutsche Schule Villa Ballester in Buenos Aires/ Argentinien – Schule in Bewegung
Deutsche Schulen im Ausland sind ein wichtiges Element der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Sie haben als so genannte Kulturmittler die Aufgaben, die Begegnung zwischen der deutschen Kultur und der des Gastlandes zu ermöglichen, deutsche Kinder im Ausland schulisch zu versorgen und die deutsche Sprache zu vermitteln und zu fördern.
Die Deutsche Schule Villa Ballester ist eine der zurzeit 123 Deutschen Auslandsschulen, die von Bund und Ländern offiziell anerkannt sind und von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen in enger Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt und den Bundesländern betreut werden.
Im Jahre 2007 hat die Deutsche Schule Villa Ballester ihr 85-jähriges Bestehen gefeiert. Gegründet wurde die Schule 1922 unter dem Namen Bismarckschule in einem damaligen Vorort der Stadt Buenos Aires – in Villa Ballester, dem sie ihren heutigen Namen verdankt. Motivation für die Gründung war, Kindern deutscher Einwanderer weiterhin eine deutsche Schulbildung zu bieten. Trotz immer wieder auftretender Schwierigkeiten – so beispielsweise die Schließung durch die argentinische Regierung im Jahre 1945 oder der starke Rückgang der Schülerzahlen zu Zeiten der Wirtschaftskrise in Argentinien 2001/2002 – hielt die Schule beständig an ihren Zielen fest und wurde kontinuierlich ausgebaut.
In zwei Kindergärten, zwei Grundschulen, einer Sekundarstufe sowie einem Berufsbildungszentrum werden heute insgesamt 1.727 Schülerinnen und Schüler unterrichtet und ausgebildet. Die Installationen verteilen sich auf zwei Standorte – dem ursprünglichen in Villa Ballester und dem rund zehn Autominuten entfernten Villa Adelina, beide in der Provinz Buenos Aires gelegen.
Selbstverständlich hat sich auch das pädagogische Profil im Laufe dieser vielen Jahre verändert, musste sich verändern und wird sich in Zukunft weiter verändern. Von der Schule für deutsche Einwandererkinder hat sich die Schule geöffnet für Kinder aller Nationalitäten – in der überwiegenden Mehrzahl sind dies heute argentinische Kinder, deren Eltern ihnen eine moderne, ganzheitlich ausgerichtete Bildung und Erziehung bieten wollen, die neben der Vermittlung von Wissen auch großen Wert auf den Erwerb personaler und sozialer Kompetenzen legt. Auch wenn es heutzutage wenige deutsche Schülerinnen und Schüler gibt, so ist der bikulturelle Charakter der Schule einer unserer Grundpfeiler. Der Vermittlung der deutschen Sprache – oder besser gesagt des Unterrichts auf Deutsch – kommt in diesem Rahmen ein herausragender Stellenwert zu. Bereits im Kindergarten werden die Kinder mit der deutschen Sprache vertraut gemacht. In der Grundschule werden Inhalte der Mathematik, Sach- und Landeskunde und Musik ebenfalls auf Deutsch unterrichtet. In der Sekundarstufe kommen weitere Fächer wie beispielsweise Biologie, Chemie, Geschichte sowie Kunst hinzu. Die Theater-AGs auf Deutsch ergänzen dieses Programm. Alle Schülerinnen und Schüler legen die Deutschprüfungen A2 (Ende der sechsten Klasse), Sprachdiplom B1 (Ende der zehnten Klasse) und C1 (Ende der zwölften Klasse) ab.
Neben dem argentinischen Sekundarabschluss bietet unsere Schule seit 2003 einen international anerkannten Abschluss an: Das zweijährige Programm des “Gemischtsprachigen International Baccalaureate“ (GIB) mit bestandenen Prüfungen (elfte und zwölfte Klasse) berechtigt Schülerinnen und Schüler, weltweit an renommierten Hochschulen zu studieren – einschließlich der Hochschulen in Deutschland.
Unser Berufsbildungszentrum bietet darüber hinaus kaufmännische Ausbildungen an. Nach Vorbild des Deutschen Dualen Systems bilden wir gemeinsam mit der Deutsch-Argentinischen Industrie- und Handelskammer und überwiegend deutschen Unternehmen junge Leute aus.
Bleibt ein Thema anzusprechen, das alle Schulen beschäftigt: Schulentwicklung, das heißt im Falle der Deutschen Auslandsschulen das PQM (Pädagogisches Qualitätsmanagement). Die Überschrift dieses Artikels deutet es an: Unsere Schule bleibt nicht stehen, sondern bewegt sich kontinuierlich weiter. Wir sind aufgefordert, uns den Anforderungen einer immer stärker globalisierten Welt zu stellen. Dies bedeutet, pädagogisch, didaktisch und methodisch auf dem neuesten Stand zu sein, das Beste zu bieten und zu geben. Wir stellen uns diesen Herausforderungen und befinden uns mitten im Prozess. Eine schulinterne Evaluation mit SEIS+ (+ steht für Deutsche Auslandsschulen) ist abgeschlossen; die Qualitätsgruppe PQM (Mitglieder: Eltern, Schülerinnen und Schüler, Kolleginnen und Kollegen, Vorstand, Verwaltung, Schulleitung) hat die Ergebnisse analysiert und die Schulgemeinschaft vor kurzem darüber informiert. Als nächstes sehen wir einer externen Evaluation entgegen – dem so genannten Peer Review, dem Besuch der “kritischen Freunde“, die uns sagen werden, ob und wie wir die Problemfelder angegangen sind. Wer sich weiter darüber informieren möchte, ist herzlich eingeladen, unsere Homepage zu besuchen – oder wie man hierzulande sagt – para mayor información consulte a:
Autorin: Susanne Lutz, Leiterin der Deutschen Schule ins Buenos Aires

