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 SCHULPROJEKT

Goldäckerschule, Stockach – Schlüsselkompetenzen durch praxisorientiertes Lernen

 

Konzeptioneller Schwerpunkt: Schule als Lebenshilfe

Ziel der Goldäckerschule ist es, Schülerinnen und Schüler individuell und als Gesamtpersönlichkeit zu fördern. Das bedeutet, ihnen soll Halt und eine Struktur gegeben werden, sie sollen sich Fertigkeiten, Fähigkeiten und Schlüsselqualifikationen aneignen, ihnen soll die Gelegenheit gegeben werden, ihren Selbstwert zu erkennen. Damit können die Kinder und Jugendlichen ihr Leben selbstverantwortlich und selbstständig bewältigen und gestalten. Dazu gehört auch, Probleme und Konflikte als normale Begleiter des Lebens sowie als Aufgabe anzuerkennen, die gelöst werden müssen und können.

 

Die Goldäckerschule hat vielfältige Projekte in ihr Schulprogramm aufgenommen: Beispielsweise ist sie eine Schule mit bewegungserzieherischem Schwerpunkt, beteiligt sich am Ohrenspitzerprojekt, bei dem die Hörkompetenz von Kindern und Jugendlichen gefördert wird, sie arbeitet erlebnispädagogisch und engagiert sich im Bereich soziales Lernen und Gewaltprävention.

Teil der pädagogischen Arbeit an der Goldäckerschule ist die zweijährige Kooperationsklasse mit dem Berufsschulzentrum Stockach. Anlass war der Bedarf eines Konzepts für die bessere Ausgangslage für den Ausbildungs- bzw. Berufseinstieg von benachteiligten Schülerinnen und Schülern. Vorlage war ein diesbezügliches Modell in Radolfzell und die Bitte des Schulamtdirektors für Sonderschulen des Landkreises Konstanz, etwas in dieser Art für den Raum Stockach zu entwerfen.

 

 

Lernen ohne Brüche – Kooperationsklasse von Förder- und beruflicher Schule

 

 

Verzahnung von Beginn an

Die zweijährige Kooperationsklasse in Stockach beginnt in Klasse 9 der Förderschule. Hier werden die Schülerinnen und Schüler nach dem Bildungsplan der Förderschule unterrichtet. Zusätzlich sind sie jeweils montags sechs Stunden lang im Unterricht der Berufsschule in den Fächern Technik und Ernährung bei den Lehrkräften, die sie auch im anschließenden Berufsvorbereitungsjahr begleiten werden. Dienstags haben sie je nach Möglichkeit ein verpflichtendes halb- oder ganztägiges Betriebspraktikum.
Im darauf folgenden Berufsvorbereitungsjahr besuchen die Jugendlichen den gesamten Unterricht an der Berufsschule und werden dort nach dem Bildungsplan der Berufsschule unterrichtet. In den Fächern Mathematik und Deutsch begleiten sie weiterhin die Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer der Förderschule. Durch diese Verzahnung der beiden Schulen im Bezug auf den Bildungsplan und die Lehrkräfte werden die Schülerinnen und Schüler der Förderschule langsam und im geschützten Rahmen auf die Berufsschule und auf die Prüfung vorbereitet. Es gibt keinen Bruch zwischen dem Besuch der beiden Schularten, kein langes Umgewöhnen an neue Lehrkräfte und Klassen, so dass von Anbeginn der Berufsschulzeit die Konzentration auf das Lernen möglich ist.


Abschluss dank effizienter Zusammenarbeit

Die Verzahnung von Lerninhalten der beruflichen Schule mit den Methoden der Förderschule und die Kenntnisse auf Seiten aller Lehrkräfte bezüglich der Fähigkeiten und Defizite der einzelnen Schülerinnen und Schüler bewirkt ein besonders effektives Arbeiten. Ein auf diese Fakten gestütztes Curriculum hat es ermöglicht, dass bisher alle Jugendlichen der zweijährigen Kooperationsklasse einen der Hauptschule gleichwertigen Abschluss erreicht haben.


Schulische Unterstützung auch in der Ausbildungszeit

Der Schulabschluss an sich ist dennoch nicht das alleinige Ziel, hinzu muss der Erwerb von Schlüsselqualifikationen kommen, die die Kinder lebenstüchtig werden lassen. Dieses Konzept verfolgt das Ziel, die jungen Menschen nachhaltig in den Arbeitsprozess einzugliedern. Die Schule arbeitet mit diesem Modell nun im fünften Jahr. Alle Schülerinnen und Schüler der Goldäckerschule konnten bisher in ein Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnis übernommen werden. Bei eventuellen Schwierigkeiten gibt es ein engmaschiges Netz von ehemaligen Lehrkräften, einer Psychologin und einem Berufshelfer sowie einem Arbeitskreis, der sich mit den Problemen befasst, die in den Betrieben mit den Jugendlichen auftauchen können. Die Schule ist des Weiteren darauf bedacht, die Verbundenheit mit dem Umfeld zu stärken. So strebt die Schule eine Kooperation mit vielen verschiedenen Institutionen und Gruppierungen an (Feuerwehr, Deutsches Rotes Kreuz, Umweltzentrum, Stadtjugendpflege, Vereine), die spezielle Kurse für die Schülerinnen und Schüler der Förderschule anbieten, um Hemmschwellen abzubauen.


Die Goldäckerschule hat mit ihrem Ansatz des praxisorientierten Lernens einen außerordentlich wichtigen Beitrag zur Entwicklung von sozial-kommunikativen Kompetenzen geleistet und in Zusammenarbeit mit der beruflichen Schule Kompetenzen eingebracht. Die Schule zählt zu den Wegbereitern der inzwischen mehr als 40 Kooperationsklassen Förderschule/BVJ.



Die Goldäckerschule in Stockach

Die Förderschule befindet sich in der Stadt Stockach im Kreis Konstanz.
An der Schule wurden im Schuljahr 2005/2006 98 Schülerinnen und Schüler in zehn Klassen von 16 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet. Das Kollegium besteht aus ausgebildeten Sonderschullehrkräften sowie zwei Hauptschullehrern, die eine Zusatzausbildung für Förderschulen absolviert haben. Ebenso steht seit knapp einem Jahr ein Sozialarbeiter an eineinhalb Tagen in der Woche zur Verfügung. Die Goldäckerschule ist seit dem Schuljahr 2005/2006 eine Schule mit ganztägigem Angebot von Montag bis Donnerstag, bei dem den Kindern und Jugendlichen ein Mittagessen angeboten wird. Das Angebot am Nachmittag, welches hauptsächlich aus unterschiedlichen Arbeitsgemeinschaften besteht, wird von Lehrkräften, Lehrbeauftragten und außerschulischen Partnern durchgeführt.

Weitere Informationen sind unter http://www.goldaeckerschule.de abrufbar.