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SCHULPROJEKT

Karl-Georg-Haldenwang-Schule, Schule für Geistigbehinderte, Leonberg


 

Die Karl-Georg-Haldenwang-Schule ist eine Sonderschule für Geistigbehinderte. Der Einzugsbereich ergibt sich aus dem Überschnitt der Landkreise Böblingen und Ludwigsburg (Altkreis Leonberg); er umfasst 180.000 Einwohner. Der Schulträger ist der Landkreis Böblingen. Die Einrichtung liegt in der Stadtmitte und ist eingebettet in das gesellschaftliche Leben der großen Kreisstadt Leonberg.


Im Schuljahr 2005/2006 besuchen 133 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen sechs und 20 Jahren die Schule in insgesamt 19 Klassen. Bei einer Klassenstärke zwischen fünf bis zehn Schülerinnen und Schüler werden diese von 50 Lehrkräften unterrichtet.


Ein Verbund Sonderpädagogischer Frühberatungsstellen für Eltern behinderter oder entwicklungsverzögerter Kinder ist der Karl-Georg-Haldenwang-Schule angegliedert. Dort werden jährlich zwischen 80 und 90 Kinder im Alter von null bis sechs Jahren mobil und ambulant gefördert und begleitet. In der direkten Nachbarschaft der Schule gibt es einen Schulkindergarten, in dem sich 18 Kinder auf drei Gruppen verteilen.


 


Grundlagen der schulischen Arbeit

 

Im Mittelpunkt der schulischen Arbeit steht eine an den Fähigkeiten und Lernvoraussetzungen jedes einzelnen Schülers ausgerichtete individuelle Förderung.


Begünstigt durch den zentralen Standort der Schule wird das Leitziel des Bildungsplans „Selbstverwirklichung in sozialer Integration“ zur praktizierten Selbstverständlichkeit. Daraus erwächst das Ziel, Kinder und Jugendliche mit einem speziellen Förderbedarf auf ein so selbständig wie möglich zu führendes Leben als erwachsene Menschen vorzubereiten. Dabei geht es auch um die Verwirklichung der gleichberechtigten Teilhabe dieses Personenkreises an allen Bereichen unserer Gesellschaft. Dies erfordert eine breit angelegte schulische Bildung zur Vorbereitung auf nahezu alle Lebensbereiche, um die Wahlmöglichkeit für Menschen mit Lernschwierigkeiten zur selbstständigen Gestaltung des eigenen Lebens in der Gesellschaft zu gewährleisten.


Um diesem Anspruch unter Berücksichtigung der stetigen Veränderung gesellschaftlicher Bedingungen gerecht werden zu können, versteht sich die Karl-Georg-Haldenwang-Schule als „lernende Dienstleistungseinrichtung“. Dies setzt eine kontinuierliche innere Schulentwicklung und Schulprogrammarbeit voraus und erfordert im Inneren den Aufbau tragfähiger Organisationsstrukturen in Verbindung mit Teamarbeit und der Bereitschaft zu Reflektion und Veränderung.


Grundsätzlich kann schulische Bildung nur dann gelingen, wenn sie auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Eltern als Experten ausgerichtet ist, eingebettet in ein kommunales Netzwerk. Deshalb ist diese intensive Zusammenarbeit in das Leitbild der Schule integriert. Regelmäßige Elterngespräche in Form von Hausbesuchen, Informationsabenden oder Elterntreffen wie Kaffeenachmittage, gehören neben den Elternabenden zum Ablauf des Schuljahres. Außerdem sind die Eltern an der Erarbeitung des Schulprogramms beteiligt.


Konzeptionelle Schwerpunkte


Um die angesprochene individuelle Förderung zu gewährleisten, wurden die folgenden inhaltlichen und methodischen Grundlagen erarbeitet und von der Gesamtlehrerkonferenz verabschiedet. Sie sollen einen klar strukturierten Aufbau über die Stufen hinweg und einen verbindlichen Rahmen für die Eltern sowie die Lehrerinnen und Lehrer abbilden. Andererseits sind sie im pädagogischen Alltag fortwährend einer kritischen Auseinandersetzung und Überarbeitung ausgesetzt und werden derzeit in einer intensiven Schulprogrammarbeit ergänzt und weiterentwickelt.


Mathematik
  • Unterstufe: Erarbeitung des pränumerischen Bereichs und des Mengen- und Zahlbegriffs, eingebettet in das Thema „Bauernhof“ als konkretes Handlungsfeld;
  • Mittelstufe: Erweiterung des Mengen- und Zahlbegriffs, erste Erfahrungen im Umgang mit Geld in Verbindung mit dem Handlungsfeld „Kaufladen“;
  • Oberstufe: Erweiterung der mathematischen Kenntnisse (Rechenoperationen) und des Rechnens mit Geld mit Hilfe der Bewirtschaftung eines Schülercafés;
  • Werkstufe: Einrichtung eines innerschulischen Betriebs in Form eines Brezel- und Getränkeverkaufs für die gesamte Schule zur Erweiterung der Rechenfähigkeiten in Verbindung mit dem selbstständigen Einkauf in Warenhäusern und Supermärkten.
Lesen/Schreiben
  • Einführung der basalen Lesestufen mit Hilfe der „Kleinen Fibel“;
  • Lesen im engeren Sinne (Analyse/ Synthese) auf der Basis von „Lesen mit Lo“;
  • „Lebenspraktisches Lesen“ zur Verbesserung der Selbstständigkeit im Bereich der Selbstversorgung;
  • Projektintegriertes Lesen und Vertiefung der Lesefertigkeiten anhand dem Alter entsprechenden und aktuellen Texte in Zeitungen, Zeitschriften, Büchern und im Internet.
Unterstützte Kommunikation

Vom Kleinkind bis zum Erwachsenen begegnen wir zunehmend Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen in ihrer Kommunikationsfähigkeit erheblich eingeschränkt sind. Hieraus erwächst die zentrale Aufgabe, den Schülerinnen und Schülern individuell angepasste Kommunikationshilfen zur Verfügung zu stellen, ihre Kommunikationsmöglichkeiten durch nichtsprachliche Mittel zu erweitern, um ihnen dadurch die Möglichkeit zu Selbstbestimmung und Teilhabe zu eröffnen und zu erweitern. Dahinter verbirgt sich ein Menschenbild, das Kommunikation als ein Grundbedürfnis und Grundrecht aller Menschen beinhaltet.


Diese Sicherung der kommunikativen Kompetenz zieht sich wie ein roter Faden durch Frühförderung, Kindergarten, Schule und nachschulische Einrichtungen. In einem regelmäßig tagenden Arbeitskreis „Kommunikation“ wurde ein für die gesamte Einrichtung verbindliches Bild- und Zeichensystem zur Erstellung von Kommunikationstafeln und ein Gebärdenrepertoire festgelegt. Ein zusätzlicher Schwerpunkt ist dabei die Erweiterung der Kommunikationsmöglichkeiten autistischer Schüler. Dazu nahm das gesamte Lehrerkollegium an Fortbildungskursen zur „Gestützten Kommunikation“ teil. Als Begleitmaßnahme gründete sich ein Elternarbeitskreis und eine Supervisionsgruppe. Eine Lehrerin steht zur kontinuierlichen Schulung und Beratung zur Verfügung. Speziell angeleitete Schulbegleiterinnen und -begleiter ermöglichen die Teilnahme autistischer Schüler am Unterricht, gegebenenfalls auch in allgemein bildenden Schulen.


Förderung schwer-mehrfach behinderter Schülerinnen und Schüler

Grundlage der Beschulung dieser Schüler sind detailliert ausgearbeitete individuelle Förderpläne. Zur praktischen Umsetzung wurde ein multifunktional ausgestatteter „Basalraum“ eingerichtet. Die Arbeit wird durch eine kontinuierlich arbeitende Arbeitsgruppe reflektiert und begleitet. Eine Lehrkraft koordiniert die Zusammenarbeit mit den externen Fachdisziplinen (Krankengymnasten, Orthopädiemechaniker, Ärzten usw.).


Freizeiterziehung

Zur Vorbereitung auf ein möglichst selbstbestimmtes Leben gehört auch die Freizeitgestaltung. Damit die Schülerinnen und Schüler verschiedene Freizeitmöglichkeiten kennen lernen, ihre Interessen und Begabungen entdecken und die Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen der Freizeitgestaltung (Sport, Theater, Musik, Gestalten usw.) erweitern können, werden an einem Nachmittag in der Woche unterschiedlicher Freizeitaktivitäten stufenübergreifend angeboten, aus denen die Schüler wechselnde Schwerpunkte auswählen und in Gruppen erproben können. Erwachsene Schüler treffen sich, um ein abwechslungsreiches Abendprogramm unter der Bezeichnung „Nachtschicht“ zu gestalten.
Im Rahmen der Zusammenarbeit mit außerschulischen Einrichtungen werden die Schülerinnen und Schüler in Kooperation mit Lehrkräften der Jugendmusikschule einmal wöchentlich im Instrumentalunterricht gefördert. Eine weitere Schülergruppe nimmt an einem Nachmittag am Kinderturnen des örtlichen Sportvereins teil.


Offene Unterrichtsformen

 

 

 

 

Um individuelle Förderung in Klassen mit sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen zu gewährleisten und gleichzeitig die Selbstständigkeit und Selbsttätigkeit der Schüler weiter voran zu treiben, wurden in den letzten Jahren verstärkt „offene Unterrichtsmethoden“ in den pädagogischen Alltag integriert.

Im Rahmen mehrerer Pädagogischer Tage und Konferenzen konnte die Weiterentwicklung der unterrichtlichen Arbeit mittels Freiarbeit, Wochenplan und  projektorientiertem Unterricht beschlossen und halbjährlich evaluiert werden. Die gegenseitige Information über entsprechende Medien und selbst entwickelte Arbeitsmittel wurde institutionalisiert.


 

 

 

Weiterentwicklung der Werkstufe zur „Übergangsstufe“

 

Ein Schwerpunkt in der Schulentwicklung hat die Umgestaltung der Werkstufe in Richtung einem gezielten, mit dem einzelnen Schüler vorbereiteten Übergang von der Schule in das Leben in der Gesellschaft im Blick. Dies impliziert den Aufbau eines Netzwerks und die Zusammenarbeit mit den entsprechenden außerschulischen Partnern. Beispielhaft sei hier die gemeinsame Planung und Durchführung spezieller Unterrichtseinheiten im Bereich „Sexualerziehung“ in Kooperation mit Pro familia genannt.


Im Folgenden sollen die Bereiche „Wohnen“ und „Arbeit“ ausführlicher dargestellt werden:


Wohnen

In enger Kooperation mit dem Schulträger wurde eine „Trainingswohnung“ in direkter Nachbarschaft zur Schule angemietet und eingerichtet. Mit differenzierten Zielsetzungen über alle Stufen hinweg soll die unterschiedliche Nutzung erprobt, ausgewertet und als Handlungsanleitung verschriftlicht werden. Mit einem strukturierten Aufbau, aufgegliedert in eine „Orientierungsphase“ (Welche Wohnformen gibt es?), eine „Erprobungsphase“ im Schullandheim, in der Trainingswohnung oder in Wohnformen außerschulischer Partner, und in eine daraus abgeleitete individuelle „Planungsphase für die Zukunft“ verfolgt die Schule das Ziel, eine größtmögliche Unabhängigkeit im nachschulischen Leben in enger Zusammenarbeit mit der für das Wohnen zuständigen Behindertenhilfe in Leonberg zu erreichen (siehe Praxis-Info-G Heft 2/3 2005).


Berufsvorbereitende Einrichtung (BVE)
  • Kooperation mit der Karstadt AG
    Im Rahmen eines schulischen Betriebspraktikums sind zwei Gruppen mit je fünf Schülerinnen und Schülern in Begleitung je einer Lehrkraft in wöchentlichem Wechsel mittwochs und samstags, auch während der Ferien, mit dem Einräumen der Schreibwarenabteilung des Warenhauses Karstadt beauftragt. Neben der Förderung allgemeiner berufsbezogener Basiskompetenzen (Ausdauer, Genauigkeit, Pünktlichkeit, usw.) erhalten die Schüler einen realistischen Einblick in einen Bereich der Arbeitswelt.
  • Berufswegeplanung an der Karl-Georg-Haldenwang-Schule
    Die Schülerinnen und Schüler sollen bei der Entwicklung einer beruflichen Perspektive unterstützt werden. Der Berufswegeplanung liegt folgende Strukturierung zugrunde: Sie gliedert sich in die Orientierungs-, Erprobungs- sowie Eingliederungs- bzw. Entscheidungsphase, und ist eingebettet in einen ganzheitlichen Zukunftsplanungsprozess. Im Mittelpunkt steht dabei das Kennen lernen unterschiedlicher Beschäftigungsmöglichkeiten sowohl in der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) als auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Spätestens zum Eintritt in die Werkstufe wird dieser Prozess unter Beteiligung der Eltern, Lehrkräfte, Agentur für Arbeit, Betriebe, Integrationsfachdienst (IFD) initiiert. Zur Verbesserung der beruflichen Wahlmöglichkeiten und zum Abgleich vorhandener Fähigkeit und Wünsche in der realen Arbeitssituation haben Betriebspraktika und -erkundungen eine zentrale Bedeutung. In den verschiedenen Phasen der Berufswegeplanung werden die Praktika entsprechend der jeweiligen Zielsetzungen vorbereitet, in Kooperation mit dem IFD und anderen beteiligten Partnern durchgeführt und anschließend ausgewertet. Dies ist die Voraussetzung für eine individuell gestaltete berufliche Eingliederung, die „Teilhabe am Arbeitsleben entsprechend den Neigungen und Fähigkeiten dauerhaft zu sichern oder die persönliche Entwicklung ganzheitlich zu fördern und die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft sowie eine möglichst selbstständige und selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen oder zu erleichtern“ (Sozialgesetzbuch IX, § 4,1 Nr. 3 – 4).
  • Eingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarkt
    Von September 2001 bis Dezember 2004 wurde an der Karl-Georg-Haldenwang-Schule ein Modellprojekt durchgeführt. Es hatte zum Ziel, Schülerinnen und Schüler im Rahmen einer dualen beruflichen Qualifizierungsmaßnahme auf eine erfolgreiche Integration in den allgemeinen Arbeitsmarkt vorzubereiten. Dieses Berufsbildungsprojekt wurde im Vorfeld von Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrern konzeptionell erarbeitet, geleitet durch den Wunsch, die beruflichen Wahlmöglichkeiten der Schüler zu erweitern.
    Kernelemente der jetzt fest konzeptionell verankerten dualen Berufsbildungsmaßnahme mit einer Dauer von ein bis drei Jahren sind ein langfristiges Praktikum in einem Betrieb des allgemeinen Arbeitsmarktes, schwerpunktmäßig begleitet durch eine Integrationsberaterin (IFD) sowie ein schulischer Teil, in dem vor allem die in der Praxis dazu gewonnenen Erfahrungen aufgearbeitet und reflektiert werden sollen. Über die Einarbeitung in das Tätigkeitsfeld des Betriebs im Sinne eines „training on the job“ konnten in den letzten vier Jahren elf Schulabgänger erfolgreich in den allgemeinen Arbeitsmarkt eingegliedert werden.
Außenklassen an allgemein bildenden Schulen


Neun Jahre gemeinsamen Lernens behinderter und nicht behinderter Schülerinnen und Schüler in der Theodor-Heuglin-Schule (Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule) in Hirschlanden stehen für einen Meilenstein in der schulischen Entwicklung der Karl-Georg-Haldenwang-Schule. Dort gibt es derzeit Integrationsklassen mit einer ersten und einer dritten Klasse in der Grundschule und einer fünften und siebten Klasse in der Hauptschule. Teilweise findet der gemeinsame Unterricht auch an der Karl-Georg-Haldenwang-Schule statt.


Die kooperierenden Klassen benötigen in der Regel folgende Rahmenbedingungen:

  • Die Klassenstärke wird auf maximal 22 Schüler, einschließlich der behinderten Kinder festgesetzt.
  • Die Schüler der Klasse werden nicht gesondert ausgesucht oder zusammengestellt. In den Parallelklassen der kooperierenden Grundschulklasse dürfen durch die Kooperation keine übergroßen Klassen entstehen.
  • Bei den kooperierenden Klassen werden ihre Lehrkräfte jeweils entsprechend dem für die Schule gültigen Organisationserlass zugeteilt. Für den Unterricht gelten die jeweils gültigen Bildungspläne.

Als Einstieg hat es sich bewährt, dass die Sonderschulklasse im ersten Schuljahr an der Stammschule unterrichtet wird und erst im zweiten Schuljahr einer ersten Klasse der Grundschule zugeführt wird. Neben der Entwicklung sozialer Fähigkeiten und der Vermittlung von „Basiswissen“, Lernverhalten und Regeln, haben die Lehrerinnen und Lehrer der Grundschule die Möglichkeit, die behinderten Kinder und deren Lehrkräfte vor ihrer endgültigen Entscheidung für diese anspruchsvolle Aufgabe kennen zu lernen.


Das Grundprinzip des gemeinsamen Weges lautet: Es soll soviel wie möglich an gemeinsamem, nur wenn nötig getrennter Unterricht stattfinden!

Kontakt:
Karl-Georg-Haldenwang-Schule
Ostertagstraße 24
71229 Leonberg
Telefon: 07152 30866-0
E-Mail: haldenwang-schule@t-online.de