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Datum:  19.01.2006

Rau greift Kritik am achtjährigen Gymnasium auf

Kurzbeschreibung:  Kultusminister schreibt an Eltern / Achtjähriges Gymnasium erfordert pädagogische Antworten

Mit einem Elternbrief will Kultusminister Helmut Rau zur Versachlichung der Debatte um das achtjährige Gymnasium (G8) beitragen. Auf vier Seiten geht der Minister auf die Kritik am G8 ein. Seine Botschaft ist eindeutig: Das achtjährige Gymnasium war sorgfältig vorbereitet und funktioniert an vielen Schulen auch reibungslos. Rau kündigte an, dass das Kultusministerium Beispiele, „bei denen die Umstellung besonders gut gelungen ist, allen Gymnasien zur Verfügung stellen wird“. Davon sollen Schulen profitieren, „die noch um Lösungen ringen“.

Das Schreiben, das derzeit über die Schulen verteilt wird, richtet sich an die Eltern der Schülerinnen und Schüler, die die fünfte oder sechste Klasse an allgemein bildenden Gymnasien besuchen oder in die vierte Grundschulklasse gehen. Er nehme die Klagen über zu volle Stundentafeln und zu viele Hausaufgaben im achtjährigen gymnasialen Bildungsgang „sehr ernst“, schrieb der Kultusminister. Zumal die derzeitige Debatte gerade auch Eltern verunsichere, die vor der Entscheidung stünden, ob sie ihr Kind zum kommenden Schuljahr an einem Gymnasium anmelden.

Die einzelne Schule könne die wöchentliche Stunden- und Hausaufgabenbelastung selbst steuern, betonte Rau. Eine Stichprobenerhebung des Kultusministeriums habe ergeben, dass an den Gymnasien des Landes in Klasse 5 im Durchschnitt 31 Wochenstunden unterrichtet werden. In Klasse 6 sind es dann 33 Wochenstunden. Nachmittagsunterricht findet ein- bis zweimal in der Woche statt. Für die Erledigung von Hausaufgaben würden im Regelfall insgesamt 1,5 Zeitstunden angesetzt, an Tagen mit Nachmittagsunterricht weniger. Über den Pflichtunterricht hinaus stehen jeder Klasse für die Schuljahre 5 bis 10 insgesamt zwölf zusätzliche Jahreswochenstunden zur freien Verfügung. Diese Stunden sollen den Pflichtunterricht um Elemente ergänzen, so Rau, „die die Schülerinnen und Schüler in ihrer persönlichen Entwicklung unterstützen“. Dazu zählte er darstellendes Spiel, Musizieren oder künstlerisches Handwerk.

Der Minister trat dem Vorwurf entgegen, der gleiche Unterrichtsstoff würde im achtjährigen Gymnasium nur in kürzerer Zeit als im neunjährigen gymnasialen Bildungsgang durchgenommen. Wer dies behaupte, „der irrt – oder sagt bewusst die Unwahrheit“, so Rau. Der Start des achtjährigen Gymnasiums sei mit der Einführung der neuen Bildungspläne gekoppelt gewesen. Der verbindliche Unterrichtsstoff sei um bis zu einem Drittel reduziert worden. Auch die Kritik, das achtjährige Gymnasium sei übereilt eingeführt worden, wies der Kultusminister zurück. Das G8 sei seit 1991, zuletzt an 80 Gymnasien, erprobt worden. Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte, Schulleitungen sowie Vertreter von Hochschulen und Wirtschaft seien von Beginn an einbezogen gewesen. Der Landeselternbeirat habe sich ebenfalls für die Umstellung auf das achtjährige Gymnasium ausgesprochen.

Eltern hätten die Möglichkeit, über die schulischen Gremien auf Fragen der Unterrichtsorganisation Einfluss zu nehmen. „Wo Eltern und Schule regelmäßig Gespräche miteinander führen und vernünftig zusammenarbeiten, findet man den für die jeweilige Schule richtigen Weg“, ist sich Rau sicher. Das achtjährige Gymnasium erfordere vor allem pädagogische Antworten. Viele Gymnasien entwickelten zurzeit Konzepte zur Rhythmisierung des Schultags oder wendeten diese bereits an. Dazu gehörten der Unterricht in längeren Zeiteinheiten, die Verringerung der täglichen Fächerzahl, projektartige Lernformen sowie längere und sinnvoll gestaltete Erholungspausen. Die Gymnasien hätten außerdem die Chance, an dem Investitionsprogramm für Ganztagsschulen von Land und Kommunen teilzunehmen und damit die Ausstattung für Mahlzeitenangebote über Mittag zu schaffen.

 Elternbrief

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