Datum: 28.06.2005
"Europäisches Gymnasium" im Aufwind
Kurzbeschreibung: An 14 Gymnasien in Baden-Württemberg werden bereits zwei alte und zwei moderne Sprachen unterrichtet / Elf weitere Gymnasien wollen folgen
Bei sprachlich besonders begabten Schülerinnen und Schülern gewinnt das "Europäische Gymnasium" zunehmend an Attraktivität. An 14 altsprachlichen Gymnasien in Baden-Württemberg werden derzeit Latein und Griechisch in Verbindung mit zwei modernen Fremdsprachen angeboten. Elf weitere Gymnasien planen, diesen besonderen Sprachenzug einzuführen. Das ergab eine aktuelle Erhebung des Kultusministeriums.
Das "Europäische Gymnasium" ist konzeptionell eine Erweiterung des sogenannten "Biberacher Modells", bei dem Latein und Englisch ab der fünften Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Beim "Biberacher Modell" müssen sich die Schülerinnen und Schüler jedoch zwischen Griechisch und Französisch (oder einer anderen modernen Fremdsprache) als dritter Fremdsprache entscheiden. Durch die erweiterten Kombinationsmöglichkeiten des "Europäischen Gymnasiums" können hingegen zwei alte und zwei moderne Fremdsprachen erlernt werden. Die vier Sprachen werden in zeitlich versetzten Phasen unterrichtet. Die dritte Fremdsprache kommt je nach Schule ab Klasse 7 oder 8 hinzu, während die vierte Fremdsprache ab Klasse 10 unterrichtet wird. Dann kann auch eine der ersten drei Fremdsprachen wieder abgewählt oder auch alle vier bis zum Abitur beibehalten werden. Bei den modernen Sprachen handelt es sich zumeist um die Kombination aus Englisch und Französisch. Englisch in Verbindung mit Spanisch oder Italienisch ist ebenfalls möglich.
Ein Gymnasium mit altsprachlichem Zug plant Chinesisch als moderne Fremdsprache anzubieten. In der gymnasialen Oberstufe des "Europäischen Gymnasiums" sind zwei Fremdsprachen Pflicht, dabei muss es sich um eine moderne und eine alte Sprache handeln.
Das Modell des "Europäischen Gymnasiums" geht auf eine Initiative von Kultusministerin Dr. Annette Schavan zurück, die am heutigen Dienstag (28. Juni) in Stuttgart erneut die Bedeutung der Sprachen Latein und Griechisch "als Schlüssel zur Kultur- und Geistesgeschichte Europas" hervorhob. "Die Schülerinnen und Schüler gewinnen einen besonderen Zugang zu den kulturellen und geistigen Wurzeln unseres Kontinents und gleichzeitig zu den modernen Sprachen. Diese Vernetzung von Kompetenzen ist in zahlreichen Studien- und Berufsfeldern von hohem Wert."
Das erste Abitur nach dem Sprachenmodell des "Europäischen Gymnasiums" fand bereits im laufenden Schuljahr statt. In der Abiturprüfung werden die Schülerinnen und Schüler in einer der beiden Pflichtfremdsprachen geprüft und erhalten, bei erfolgreichen Ergebnissen, ein Abiturzeugnis mit dem Zertifikat "Europäisches Gymnasium". Damit soll mit Blick auf die Zukunft, in der die Hochschulen ihre Studentinnen und Studenten weitgehend selbstständig auswählen werden, ein deutliches Signal gesetzt werden.
Das Konzept des "Europäischen Gymnasiums" wurde im Frühjahr 2002 entwickelt und wurde im darauf folgenden Schuljahr erstmals umgesetzt.

