Individuelle Förderung
1. Bereich Hauptschule:
Inzwischen ist auch die Konzeption zur "Individuellen Förderung auf der Grundlage der Kompetenzanalyse Profil AC an Schulen" für die Lehrkräfte erarbeitet worden.
Die Konzeption sieht regionale Fortbildungsangebote vor, die zum Schuljahr 2009/2010 beginnen. Zur Konzeption gehört auch die strukturierte Information zu ausgesuchten Materialien zur "Individuellen Förderung auf der Grundlage der Kompetenzanalyse Profil AC an Schulen". Diese Materialien in Form von kurzen Steckbriefen bieten Anregungen, die zur Förderung einzelner Kompetenzen eingesetzt werden können. Diese sogenannten "Steckbriefe zur Förderung" stehen den Anwenderinnen und Anwendern ab Mitte Juni 2009 über die passwortgeschützte Internetseite zur Verfügung. Bis zum Ende des Kalenderjahres 2009 sollen ergänzend zu den Steckbriefen im Unterricht einsetzbare Materialien angeboten werden. Auch diese werden über die passwortgeschützte Internetseite abrufbar sein. Vorrangiges Ziel bei den unterstützenden Angeboten zur individuellen Förderung ist, den Lehrerinnen und Lehrern mögliche Hilfen anzubieten, um die Kompetenzanalyse und deren Ergebnisse mit dem Förderkonzept der Schule eng zu verknüpfen.
Individuelle Förderung ist Bestandteil jeglichen pädagogischen Handelns und findet als fortlaufender Prozess in jeder Lernsituation statt.
Sie geht schon zu Beginn von einer Verteilung der Verantwortlichkeit aus, denn sie wird übernommen und getragen von allen Förderbeteiligten, also den beteiligten Lehrkräften, dem Schüler / der Schülerin, den Eltern, außerschulischen Förderpartnern, Betrieben etc.
Für Schülerinnen und Schüler der Hauptschule / Werkrealschule können bisherige Misserfolgs- und Angsterlebnisse ein Teil ihrer Schul- bzw. Lebenserfahrung sein. Der langsame Aufbau von Erfolgszuversicht ist daher eines der ersten Ziele einer stärkenorientierten individuellen Förderung.
Individuelle Analysen und Lernstandsbeschreibungen (u.a. in Kl. 5/6 Onlinebasierte Lernstandserhebung in Deutsch und Mathematik, in Kl. 7 Vergleichsarbeiten und die Kompetenzanalyse Profil AC an Schulen inklusive der SchuB-Materialien) sowie die darauf beruhenden individuellen Förderpläne für jede Schülerin / jeden Schüler sind die notwendigen Voraussetzungen für einen Erfolg versprechenden Lernprozess. Der individuelle Förderplan jeder Schülerin/jeden Schülers wird kontinuierlich fortgeschrieben und reagiert damit auf Entwicklungsfortschritte, aktuelle Problemlagen und neue Aufgabenstellungen.
Der Erfolg der Individuellen Förderung steht und fällt mit der Bereitschaft der Jugendlichen, sich auf diesen Prozess einzulassen. Nur Förderziele, die die Jugendlichen selbst als notwendig empfinden, werden sie auch mit eigenem Engagement angehen. Die Ergebnisse der Kompetenzanalyse werden den Teilnehmern offen gelegt und mit ihnen besprochen. Die fertige Auswertung, das Kompetenzprofil ist Grundlage des Fördergespräches und dient der gemeinsamen Reflexion der Ergebnisse.
Förderdiagnose und Förderplan sollen an den Kompetenzen der Jugendlichen ansetzen, ihnen aufzeigen, was sie schon schaffen und worauf sie aufbauen können. Dem Schüler wird eine große Selbstverantwortlichkeit für die Gestaltung seines Förderprozesses und damit seiner eigenen persönlichen Entwicklung zugeschrieben.
Die Erfassung der für die Ausbildungsreife erforderlichen überfachlichen Kompetenzen in Klasse 7 und die darauf aufbauende Förderung dienen dem Ziel der Ausbildung einer beruflichen und personalen Handlungskompetenz und müssen deshalb entsprechend breit angelegt sein.
2. Bereich Sonderschule
Ein zentrales Ziel der Sonderschulen ist es, die Schülerinnen und Schüler in ihrer Entwicklung und im Lernen individuell zu begleiten, zu fördern und zu stärken, damit sie im Sinne von Aktivität und Teilhabe in die Lage versetzt werden, ihr Leben selbständig und selbstbestimmt gestalten zu können. Das stellt sich für jede Schülerin und jeden Schüler vor dem Hintergrund der jeweiligen individuellen Lern- und Leistungsvoraussetzungen unterschiedlich dar. "Vom Kind zum Programm" - mit dieser Formel wird zum Ausdruck gebracht, dass Bildung in den Sonderschulen immer von den jungen Menschen aus zu denken und zu planen ist.
Die Kompetenzanalyse Profil AC an Schulen greift diesen Anspruch an eine individuelle Lern- und Entwicklungsbegleitung auf. Der Aufbau und die Prinzipien von Profil AC basieren auf den Grundsätzen „Ganzheitlichkeit“, „Stärkenorientierung“ und „Individualisierung“. Damit entspricht Profil AC in hohem Maße den Intentionen sonderpädagogischer Förderung im Sinne einer am einzelnen Kind bzw. Jugendlichen ausgerichteten Programmgestaltung. Im Kontext einer individuellen Lern- und Entwicklungsbegleitung ist das Beobachtungsinstrument "Profil AC" im Sinne einer kompetenzorientierten Leistungsfeststellung einzupassen.
Ziel ist es, vorhandene Kompetenzen in anwendungsbezogenen Situationen wahrzunehmen, zu beschreiben und unter Einbeziehung aller Beteiligten zu bewerten, um daraus diagnostische Erkenntnisse ableiten zu können. Diese fließen dann wieder in eine kooperativ gestaltete Förderplanung ein, die die Grundlage zur Planung schulischer Angebote darstellt. Da das Verfahren durch die erweiterten Kommunikations- und Reflexionsmöglichkeiten eine breite Palette an Beteiligungen bietet, übernehmen Schülerinnen und Schüler in besonderer Weise eine Schlüsselrolle bei der Festlegung von Förderschwerpunkten und Zielvorgaben. Der Jugendliche erfährt sich so als Handelnder innerhalb des Förderprozesses und erhält erweiterte Möglichkeiten seine Zugänge zu Anforderungen und zum Lernen zu reflektieren und in diesem Zusammenhang seine Motive und Bedürfnisse zu artikulieren. Dies stärkt das Selbstbild sowie das Vertrauen in die Selbststeuerungsfähigkeiten und fördert eigenverantwortliches Verhalten im Sinne der persönlichen Zukunftsplanung.
Die Schulen erhalten mit Profil AC an Schulen ein Instrument, das sie heute schon umfassend bei der Gestaltung individueller Bildungsangebote unterstützt und eine kontinuierliche Erweiterung der Aktivitätsmöglichkeiten von Jugendlichen mit Behinderung und sonderpädagogischem Förderbedarf bezogen auf schulische Bildung und gesellschaftliche Teilhabe sichern hilft.
Vor diesem Hintergrund wird derzeit ein Fortbildungskonzept für den Bereich der Sonderschulen erarbeitet, das nach Fertigstellung von Schulen abgerufen werden kann und die Schulen standortbezogen bei der Umsetzung von Profil AC im Kontext einer individuellen Lern- und Entwicklungsbegleitung unterstützt. Diesbezüglich bilden dabei schon begonnene Entwicklungsarbeiten auf Seiten der Schulen die Basis für die konkrete Ausgestaltung des Unterstützungsangebotes vor Ort.

