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LITERATUR

„Religion in der Grundschule - Ein Kompendium“

Ein neues Kompendium bedenkt die Frage der Religionsdidaktik, „was, wann, warum, wozu, wie, wo und womit etwas im Religionsunterricht erschlossen werden soll.“
Hierbei sollen pädagogische und theologische Gesichtspunkte zu ihrem Recht kommen, denn: Pädagogische Orientierung an den Schülerinnen und Schülern und theologische Bestimmtheit ergänzen sich in einem kind- und sachgerechten Religionsunterricht.

„Das Kompendium geht in ersten Zugängen vom gegenwärtigen Ist-Zustand des Religionsunterrichts aus. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei dem Interesse, den Bedürfnissen sowie den Lebens- und Glaubenswelten heutiger Kinder. Weitere Themen sind das Aufgaben-, Ziel- und Selbstverständnis der Religionslehrkräfte und die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen des Faches Religion an der Grundschule.
In einem zweiten Teil werden die „Räume“ berücksichtigt, innerhalb derer Religion unterrichtet wird. Nach Klärung von grundsätzlichen Fragen (Brauchen Kinder Religion? Kann man Religion lernen? Wo kann man Religion lernen? Wie kann man Religion lernen?) werden die Ziele und Inhalte eines kind- und sachgemäßen Grundschulreligionsunterrichts vorgestellt. Dabei steht die konkrete religiöse Praxis der Kinder im Mittelpunkt.
Der dritte Teil erörtert Kriterien eines religionsdidaktisch verantworteten Methodeneinsatzes und zeigt exemplarisch Wege zu einem attraktiven Religionsunterricht durch kreative Methoden und religiöse Ausdrucksformen, die den Unterricht lebensnah machen.

Alle drei Teile können bei Bedarf auch je für sich studiert werden, markieren aber in ihrem Zusammenhang das grundlegende Vorgehen der Religionsdidaktik: Wahrnehmen - Urteilen - Handeln.“ (S. 7 f.)
Das neue Buch richtet sich an Studierende, Referendarinnen und Referendare sowie an Lehrkräfte.

Christian Grethlein und Christhard Lück,
Religion in der Grundschule - Ein Kompendium,
210 Seiten, kartoniert, 19,90 Euro,
Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006,
ISBN 3-525-61012-2.






Von der "Medienverwahrlosung" zur "Hirndiät"

Lehrkräfte wissen seit langem, dass ein gut gemachtes Lehrvideo manchmal mehr leistet als viele Worte. Eine Recherche im Internet erlaubt die weltweite Suche und eine Computersimulation - z. B. in der Stadtplanung - eröffnet erstmals schon vor dem Bau, Wirkungen abzuschätzen. Kurz: Neue Medien sind vielfach positiv und hilfreich. Wohl nur auf diesem Hintergrund ist zu verstehen, was der verdienstvolle Sammelband faktenreich behandelt: Weitgehend hinter dem Rücken, aber manchmal auch vor unverständigen Augen der Erwachsenen, bricht sich in den letzten Jahren eine Entwicklung Bahn, die man mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer nur als gravierende Unterschätzung klassifizieren kann: Die Medienverwahrlosung eines erheblichen Teils - ca. 20 Prozent - unserer Kinder und Jugendlichen. Lehrkräfte und Eltern werden in aller Regel erst über die teils offensichtlichen, teils verborgenen Folgen der medialen Verwahrlosung solcher Kinder und Jugendlichen auf die Frage nach den Ursachen gestoßen. Die oft unzulänglichen Kenntnisse der Eltern und Lehrkräfte auf diesem Gebiet und die zumeist widersprüchlichen Angaben zu den Auswirkungen des Medienkonsums bilden eine bedenkliche Mischung, auf die noch zu häufig mit Unsicherheit und abwartender Haltung reagiert wird.

Auf diesem Hintergrund war der handliche Sammelband überfällig. Er ist in der Lage, Wissenslücken zu schließen und auf gut abgesicherter Basis zu klaren Empfehlungen zu gelangen. Inhalt, Umfang und Preis dieses Buches machen eine Empfehlung an Eltern und Lehrkräfte leicht: unbedingt anschaffen!

Das Buch bietet eine überzeugende Mischung aus lesbar aufbereiteten wissenschaftlichen Analysen und praktischen, konkreten Vorschlägen. Die inhaltliche Gliederung in vier Kapitel erleichtert das gezielte Nachschlagen. Im Einzelnen sind die 22 Beiträge folgendermaßen zugeordnet: Womit "unterhalten" sich unsere Kinder und Jugendlichen? Was Eltern und Lehrer darüber wissen sollten (Kap. I); Wirkungen von Unterhaltungsgewalt (Kap. II); Was können wir gegen die "Innenweltverschmutzung" unserer Jugend tun? (Kap. III); Medien und Ethik (Kap IV).

Angesichts der umfassend und gleichwohl straffen Aufbereitung des Themas hält die Leserschaft eine wissenschaftlich breit, auch international abgesicherte und praktisch vielfach erprobte Lektüre bei einem zumutbaren Umfang von gut 200 Seiten in Händen.

Man merkt dem Band an, dass das Thema den Herausgebern, dem Dipl.-Psychologen (Leiter der Staatlichen Schulberatungsstelle München) und seiner Ehefrau, der aktiven Lehrerin, ein Herzensanliegen war. Sie haben erstklassige, teils prominente Mitstreiter, z. B. den Hirnforscher M. Spitzer, gewonnen und bei den Inhalten zugleich auf solide Grundlagen und praktische Brauchbarkeit geachtet. Der auch historisch interessierte Leser wird einen Blick in die Geschichte der Gewalt in Erziehung und Schule möglicherweise vermissen. Doch war dies nicht das Thema des ganz der Gegenwart und Zukunft gewidmeten Bandes.

Apl. Prof. Dr. Dr. Uwe Krebs
Universität Erlangen-Nürnberg, EWF
Institut für Anthropologisch-historische Bildungsforschung

Hänsel, Rudolf / Renate Hänsel (Hrsg.) (2005):
Da spiel ich nicht mit! Auswirkungen von „Unterhaltungsgewalt" in Fernsehen, Video- und Computerspielen - und was man dagegen tun kann.
Eine Handreichung für Lehrer und Eltern.
Donauwörth, Auer-Verlag, 226 S., EUR 16,80